Wer war der heilige Franz von Sales?
Als erster Sohn einer Adelsfamilie war er für den diplomatischen Dienst bestimmt und erhielt eine
entsprechende Ausbildung. Er beendete sein Studium als Doktor der Rechte, doch hatte er nebenbei
Theologie studiert. Entgegen dem Wunsch seines Vaters begann er den kirchlichen Dienst
als Domprobst.
Als ein Missionar für das Chablais gesucht wurde, meldete er sich freiwillig. Diese Gegend war Spielball
zwischen den Katholiken und den Calvinisten und die Menschen dort sollten wieder zur katholischen
Kirche zurückkehren. Dies war ein äussert gefährlicher Einsatz und so war Franz von Sales dabei oft
bedroht, doch gelang es ihm das Chablais für die Katholiken zurück zu gewinnen. Danach wurde er
Koadjutor, also Mitarbeiter von Bischof Granier und später selber Bischof von Genf. Doch hatte er seinen
Bischofssitz in Annecy, da Genf in der Hand der Calvinisten war.
Dort gründete er mit Johanna Franziska von Chantal den Orden der Heimsuchung. (Visitation) Sein Ziel
war es, möglichst allen Frauen ein Ordensleben zu ermöglichen, unabhängig von Gesundheit und Alter.
Er legte den Schwerpunkt auf die innere Gesinnung und nicht auf die äussere Abtötung.
Einer Schwester die um Erlaubnis bat, im Winter barfuss zu gehen, antwortete er, es sei besser das Herz
statt der Füsse zu entblössen.
Sein Haus in Annecy war für alle Menschen offen. Er empfing jeden mit der gleichen Aufmerksamkeit.
Er war ein begnadeter Prediger. Da er das, was er verkündete, auch selber lebte, brachte ihm das Vertrauen
der Menschen. So wurde er zum Seelenführer. Er schrieb unzählige Briefe, die er später in seiner
„Anleitung zum frommen Leben“ bekannt unter dem Titel „Philothea“ zusammenfasste und allen Menschen
zugänglich machte. Sein Geheimnis bestand in seiner grossen Menschenliebe. Wie sollte er die nicht lieben,
die Gott so sehr liebte, dass er seinen Sohn dafür hingab. Seine Ratschläge haben bis heute Gültigkeit und
weisen ihn als guten Psychologen und Pädagogen aus.
So betonte er immer wieder, dass die Nächstenliebe nur dann echt gelebt werden kann, wenn man sich
selber liebt, wenn man sich so annehmen kann, wie man ist und dazu hilft uns das Wissen, dass Gott uns
zuerst geliebt hat.
Franz von Sales gilt als liebenswürdiger Heiliger. Nur weiss man meistens nicht, dass er sich diese
Liebenswürdigkeit hart erarbeitet hatte, da er von Natur aus ein aufbrausendes Temperament hatte.
Er war voller Optimismus und verstand es, selbst in den schwierigsten Situationen noch etwas Gutes
zu entdecken. Sein Ziel war, im Menschen das Gute zu fördern und nicht das Böse zu bekämpfen.
Übrigens, Papst Johannes XXlll. war ein grosser Verehrer des Heiligen und auch unser jetzige
Papst Benedikt XVl. hält grosse Stücke auf ihn. Papst Paul VI. nennt in seinem Apostolischen Schreiben
"Saubaudiae Gemma" zum 400. Geburtstag des Heiligen (1967) Franz von Sales "den neuen, der heutigen Zeit
aufs beste entsprechenden Lehrer des geistlichen Lebens" dessen christozentrischer Humanismus"
von allen Seiten her zur vollen, dem Menschen entsprechenden Heiligkeit vorstösst." Der Papst des II,
Vatikanischen Konzils ist überzeugt, dass "kein anderer unter den neueren Lehrern der Kirche mit ebenso
tiefgründigem Scharfblick seines Geistes die Beratungen und Beschlüsse des Konzils vorweggenommen hat."