Franz von Sales: Schriftsteller und Journalist
Der heilige Franz von Sales wurde 1567 in Thorens, südlich des Genfer Sees, in Savoyen geboren.
1593 wurde er zum Priester und 1602 zum Bischof von Genf/Annecy geweiht.
1622 starb er in Lyon. 1661 wurde er selig und 1665 heilig gesprochen. 1877 kürte ihn die katholische
Kirche zum Kirchenlehrer und 1923 erwählte sie ihn zum Patron der Schriftsteller und Journalisten.
Franz von Sales,
Patron der Journalisten.
(Zeichnung von
Michael McGrath OSFS
Seine herausragenden Leistungen waren die Rückführung des Chablais zum katholischen Glauben, der Bestseller «Anleitung zum frommen Leben – Philothea» und die Gründung des Frauenordens der Heimsuchung Marias.
Papst Pius XI. hatte gute Gründe, gerade Franz von Sales 1923 zum Journalistenpatron zu küren.
1594 zum Beispiel, am Beginn seiner priesterlichen Tätigkeit, erhielt Franz von Sales den Auftrag, die Bewohner des Chablais südlich des Genfer Sees, die im Zuge der Reformation zum Calvinismus übergetreten waren, wieder für den katholischen Glauben zu gewinnen. Als die politischen Machthaber dieser Region davon erfuhren, verboten sie der Bevölkerung unter Strafe, die Predigten des jungen Missionars zu besuchen. Franz von Sales wurde einfach boykottiert. Er musste daher andere Wege finden, den katholischen Glauben unter das Volk zu bringen. Er wählte dazu eine Methode, die in jener Zeit gerade modern wurde: das Flugblatt. In periodischen Abständen verfasste er ein Flugblatt, vervielfältigte es und heftete es an die Haustüren und öffentlichen Plätze.
Franz von Sales hatte mit dieser Methode grossen Erfolg. Bereits nach drei Jahren konnte er seinem Bischof berichten, daß die Bevölkerung des Chablais wieder in die katholische Kirche zurückgekehrt ist. Der Erfolg seiner Flugblätter ist leicht erklärbar: Franz von Sales orientierte sich an seiner Leserschaft und verfasste seine Artikel in der Landessprache, was damals im von der lateinischen Sprache beherrschten Raum der katholischen Kirche praktisch einzigartig war.
Zudem verstand es Franz von Sales, schwierigste theologische Themen einfach und klar und für das Volk verständlich zu vermitteln. Er übernahm auch nicht den üblichen polemischen Stil, der damals im Zuge der Glaubensauseinandersetzungen auf beiden Seiten vorherrschte. Für ihn galt vielmehr der Grundsatz: «Man muss wohl über das Schlechte empört und fest entschlossen sein, sich niemals darauf einzulassen; dennoch muss man dem Nächsten gegenüber ganz mild bleiben.»
Auch wenn Franz von Sales ohne Umschweife die Irrlehren des Calvinismus anprangerte, so achtete er dennoch die Würde seiner Gegner, die er nicht selten als seine «Brüder» bezeichnete. Charakteristisch für seine Flugblätter war ebenso eine akribische Genauigkeit der Recherche sowie ein hohes Mass an Bildung und Objektivität.
Franz von Sales wurde zwar von einem besonderen Interesse geleitet, nämlich von der Lehre der katholischen Kirche, er legte dieses Interesse aber deutlich an den Tag.
In einer Zeit, als man eine Sondererlaubnis des Bischofs brauchte, um überhaupt reformatorische Werke, die sich allesamt auf dem Index der verbotenen Bücher befanden, lesen zu dürfen, erstaunt Franz von Sales durch seine ausgezeichnete Kenntnis der Lehren Calvins, Zwinglis oder Luthers.
Auch wenn Franz von Sales ab seiner Weihe zum Bischof von Genf 1602 keine Flugblätter mehr verfaßte, so endete damit nicht auch gleichzeitig seine Schreibtätigkeit. Im Gegenteil: In dieser Zeit entstanden tausende Briefe sowie seine literarischen Hauptwerke «Abhandlung über die Gottesliebe» und «Anleitung zum frommen Leben». Letzteres Buch, das allgemein unter dem Namen «Philothea». bekannt ist, rangiert noch heute an der dritten Stelle der Hitliste christlicher Literatur. Das literarische Gesamtwerk des heiligen Franz von Sales, der in Literaturlexikas als «Klassiker der französischen Sprache» bezeichnet wird, entstand ausnahmslos unter Bedingungen, die Journalisten von heute sehr gut nachvollziehen können.